Home

Friedrich Pfisters Erinnerungen

Kriegsende bis Anfgang 1946

Am 28. bis 29. Mai

war ich wieder in Würzburg und besuchte auch am Rückweg Frau Weber in Randersacker. Ebenso war ich von 6. - 9. Juni 45 in Würzburg. Beidemale wohnte ich bei Tatjana in Scheitenbrandts Villa. Ich betätigte mich etwas beim aufräumen in der Universität. Im Mai und Juni ging ich täglich morgens zu Fuß nach Kist - laut pfeifend - um die Milch zu holen (5-6 Liter, ferner Brot,Fleisch und Gemüse). Alle zwei Tage wandere [ich] abends nach Oberaltertheim wo ich wieder 6-7 Liter Milch holte. Am 22.5. begann der Unterricht der zwei Söhne Fleischmanns in Latein und Rechnen.

Am 1. Juli

feierten wir Irmgards Geburtstag, dabei über­ reichte ich ihr die Lebenserinnerungen in drei Heften Seite 1-256 die in der Zeit vom 2. Mai bis 30. Juni fertiggestellt hatte. Am 28.Juli erhielten wir die ersten Briefe von auswarts - von Luise und Lisbet Kölsch. Früher haben wir gelegentlich Brief nach Lübeck, Heidelberg, San Lerchen an Leute mitgegeben, die durch Irtenberg in jene Gegenden wanderten. Aber ob sie angekommen sind wissen wir nicht. Auch Kölsch' Briefe erreichten uns auf diese Weise.

Am 30. Juni

haben wir eine Postkarte nach Lübeck an Herrn Dr. Wirts mitgegeben, der mit seinem Auto nach Hamburg fährt. Dort ist bereits Postverkehr für Postkarten ein­gerichtet: Nach Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. Das Forsthaus Irtenberg wurde in allen diesen Wochen überschwemmt vom Besuchern. Viele der durchreisenden Soldaten und Rückzüglern kehrten hier ein, wurden bewirtet und fanden auch gelegentlich Nachtquatier in der Scheune der Garage und auf einem Dachboden, und erhielten auskunft über ihnre Weiterreise aber auch viele Bekannte kehrten ein, so daß die Tischgesellschaft bei Zeuners und bei uns immer recht groß war. Im Juni kam Herr und Frau Franke mit Sohn aus Berlin an ein Kollege des noch verschollenen Herrn Rohr und sie blieben eine Woche hier. Von Berlin waren sie zu Fuß mit einem kleinen Handwagen hierhergekommen und dann gingen sie nach Bregenz weiter. Auch Sannis Bräutigam kam überraschend mit seinem Auto aus Hamburg brachte noch einen Bruder und dessen Freundin Frl. Adler mit, auch einen weiteren Angestellten von der Firma Herr Galezin. Diese nahmen auch an der Hochzeit teil.

Auch Amerikaner sind im Mai und Juni oft im Forsthaus eingekehrt im·Auto vor­fahrend und Fr.Rohr spielte die Dolmetscherin. So kamen auch einmal drei Presse­ vertreter und blieben einen Abend hier, darunter Klaus Mann, Sohn von T. Mann. Einer von ihnen, der jüdische Reporter Kurt Ries, früher in Berlin hatte vor Jahren einige Zeit einmal im Forsthaus gewohnt und wollte nun Zeuners wieder besuchen.

6.7.45

erhielten wir die ersten Nachrichten aus Lübeck: Eine Postkarte und einen Brief am 20.6. in Lübeck jemanden mitgegeben. Ich erhielt ihn in Kist von einer Würzburgerin Frau (Oberstleutnant) Siegfried, die ihn durch das Rote Kreuz erhalten hatte. Wir hatten immer geglaubt, daß Hedwig sich nach Lübeck durch­ geschlagen hatte nun hörten wir, daß sie Mitte April noch in Berlin war. Auch wir hatten gelegentlich Besuch in Irtenberg. So kam am 16. Mai Herr und Frau Gerstenberg mit dem Maler Kreiter um sich die wenigen im Forsthaus befindlichen Bilder anzuschauen. Volk kam gelegentlich aus Kleinrinderfeld herüber; jetzt hat er ein Zimmer in Würzburg (Mathematiker). Am 28./29. Mai war Herr Rudolf von Wedel von Tochter und Sohn auf Durchfahrten in den Odenwald wä-hrend ich in Würzburg war.Tatjana war noch mehrere Male bei uns. Unsere alte Anna kommt überraschend mit Milchauto wir hatten sie seit dem 16.3. nicht mehr gesehen. Nur am 26.4. als ich in Würzburg war hatte ich sie auf den Weg nach Wersbach[oder Versbach?] getroffen und kurz gesprochen. Am anderen Tag in der Fruhe fuhr ich mit Irmgard wieder mit dem Milchauto nach Würzburg.
Am Mittwoch/Donnerstag 11./12. Juli war ich wieder in Würzburg Hinweg mit dem Milchauto Rückweg zu Fuß ...[fehlt] ist als Staatsrat in München und hat sich dart eine Professur als Rückhalt gesichtert. Da Kollege Fluri der die Rektorratsgeschafte bisher leitete als "Kriegsverbrecher" verhaftet wurde schlug [unleserlich] dem spanischen Offizier der die Universität beaufsichtigt Martin als Nachfolger Fluris vor, der es auch annahm.

Ab dem 12. Juli:

Der Katholizismus macht Fortschritte. In der Universität wird unter Aufsicht von Otto Volk, Witzstein und Krahe und Studentinnen auf­ geräumt und Schutt beiseite geschafft. Ich horte von Krahe , daß sich Blumental - Giesen erschossen hat. Ich lernte ihn in Tübingen kennen. Er war Georgianer Liebhaber der Frl. Fehling , spater fanatischer Hitleranhänger und deshalb hat er sich und seine Frau erschossen und lies seine vier Kinder zurück. Am Donnerstag nachmittag kam Herr Röhr aus Berlin an, nach 8-tägiger Fahrt.

Sonntag 15. Juli.

Heute wollen wir Bernhards Geburtstag feiern1 Samstag war Tatjana gekommen und ich war ihr über Kist bis zum Schiessplatz entgegengegangen. Heute früh um 6 Uhr klopfte es an unsere Schlafzimmertür und Hedwig kam herrein. Sie war Montag nachmittag von Berlin weggegangen also 5½ Tage unterwegs. Ich ging in den Steinbruch wo Hildegard mit vollen auch[?] und Christian einem Studenten seit gestern Abend wohnten und um sie zu holen. Die drei waren Samstag mittags hierhergekommen kurz nach Tatjana. Das Mittagessen fand besonders feierlich statt ebenso der Nachmittagskaffee im Freien mit Kuchen und Schlagsahne.

Montag 16. Juli.

vormittags 8 Uhr mit dem Milchauto nach Würzburg: Tatjana, Hedwig und ich zunächst in der Universität wo weiter von den Studentinnen und unter abwechselnder Führung von Krahe, Volk und Welschstein Düninger ausgegraben wird.
Wir hören das bereits vielleicht im Oktober die Universität wieder eröffnet werden soll. Mittagessen mit Hedwig bei Hemmerlein. Als wir zu Tatjana zum Kaffe kamen war Rasch da, überraschend aus Flensburg zurückgekehrt. Auch Kieser ist aus dem Osten vom Volkssturm wiedergekommen. und kürzlich auch Möbius. Der Geschaftsführer des Rektors Marin[Marin oder Martin? An dieser Stelle vor Martins Wahl zum Rektor am 23.10. – möglicherweise eine andere Person] ist nach München gefahren. Im September soll Staatsexamina sein. Ich habe meinen 6-seitigen Fragebogen ausgefüllt abgegeben. Um 4 Uhr nachmittags fuhren Hedwig und ich mit Goßmann auf dem Milchauto zurück . Bei strömenden Regen trotz des Mantels bis auf die Haut durchnäßt.

17. Juli

Silberne Hochzeit des Ehepaares Zeuner. Wir schenkten ihnen die alte Walter Scott Ausgabe in 66 Bänden. Abends waren wir Irmgard und ich zum Nacht­essen eingeladen. Ober Samstag/Sonntag 21./22.7. hatten wir Besuch von Dr. Ortmann aus Würzburg.

24. Juli

Heute erhielten wir den ersten Brief von meiner Luise aus Heidelberg vom 8. Juni . Ebenso einen Brief von Gretchen Ali aus Hamburg vom 16. 7. Beide durch vermittlu ng.

27. Juli

nachmittags bis zwei Uhr Fakultätssitzung im Englischen Seminar in Würzburg. Krahe, Schröder, Hämel, Hampe, Kieser, Marin, Rasch, Stünninger und ich. Krahe wurde zum Dekan gewählt. Später traf ich noch Lissinghaus auf der Straße.

2. August.

Da Fr. Zeuner mit ihrem Auto nach Würzburg fuhr nahm sie mich mit. Ich blieb zwei Stunden dort und war um 12 Uhr wieder zurück. Dabei erhielt ich einen weiteren Fragebogen den 3. Den ersten hatte ich nicht ausgefullt. Auch holte ich das abgeschriebene Manuskript meiner griechischen Sagen, das ich vor dem 16.3. abgegeben hatte. 123 Seiten sind jetzt abgeschrieben.

3. August

Gerstenberg jr. nachmittags zu Besuch.

5. August

Herr und Frau Oberdisser nachmittags bei uns. Am 4.8. kam Marie Anoldi überraschend aus Rippberg mit dem Rad und blieb bis Montag vormittag. Am 6.8. setzte ich die Schreibmaschine in Betrieb, die oben auf dem Boden stand, und be­gann meine Lebenserrinnerungen abzuschreiben; gewissermaBen ihre 2. Auflage.

Samstag, 11.August

Heute kam ein Brief von Ilse aus St.Lasien vom 22.7. , die erste Nachricht, die wir seit Februar von ihr erhalten haben. Sie meldete ihr baldiges Kommen an. Abends wieder mit Bernhard und Heinz und einem Handwagen 1 Zentner Kartoffeln , Gemüse 2o Pfund Pflaumen geholt aus Kist.

Sonntag 12. August:

nachmittags Besuch von Herrn und Frau Österreicher, die mit ihrem Auto von Würzburg kamen. Abends fuhr Irmgard mit ihnen zur Stadt und blieb bis Montag

Am Montag, 13 August

früh ging Hildegard weg um Marie Arnoldi im Rippberg und Luise in Heidelberg zu besuchen. Am Mittwoch 22.8. war ich wieder in Würzburg. Im Linken Flugel der Universität in der Zwischenzeit von Studentinnen unter Leitung des Mathematikers Bettstein tüchtig gearbeitet und aufgeräumt worden. Ich hörte daß Hampe in Heidelberg Bücher eingekauft hat für die Seminare. Auch besuchte ich Hampe und Frau Walcher sprach mit Krahe traff aber Martin nicht. Den 3. ausfuhrlichen Fragebogen (mit Lebenslauf und Aufsatz über die soziale politische Verantwortlichkeit von deutschen Hochschulen) gab ich ab. Gersten­berg ist entlassen.

Dienstag, 14. August

vormittags gingen wir, Irmgard, Bernhard nach Kist und Trauer­gottesdinst der Familie Spall wo wir dann auch das Frühstuck und Mittagessen ein­nahmen. Bei letzterem unterhielt ich mich mit dem Pfarrer von Kist.

Mittwoch , 28.August

Wieder in Würzburg. Von Krahe hörte ich was von unserer Fakultat neuen Kollegen entlassen seien: Franz, Hamel, Kapp , Gerstenberg, Schenk, Grabert , Jissinghaus, Paul. Im Amt bleiben: Krahe, Martin , ich, Kieser, Hans, Meier,. Die übrigen sind suspendiert. Die Entlassenen und die Suspendierten konnen Angaben machen um Wiedereinsetzung. Zu Begutachtung wurde eine Kommission gebildet unter dem Vorsitz Wunderless. In der Komission unserer Fakultat Krahe und Kieser. Die Mitglidder der juristischen Fakultät sind alle entlassen. Ich aß bei Schaltenbrands zu Mittag. Kathe Riem reiste am 23. August nach Erlangen, kehrte am 27. wieder zurück, Dann fuhr Hedwig am 30.8. hin um sich wegen ihrer Immagrl.l..[lit] zu erkundigen. Seit Anfang September bin ich in ärztlicher Behandlung: Auschlag, Jucken,... ,Nesselfieber. Dies dauert nun bereits 3 Wochen an. Am 5. September kam Engel aus der Gefangenschaft zu­rück.

16.9./18.9.

Vorschläge für die Promotionsordnung und Prüfungsordnung ausgearbeitet.

Donnerstag 20. September

Krahe hatte als Dekan eine Fakultätssitzung einberufen. Ich fuhr mit dem Milchauto nach Würzburg zusammen mit Hildengard, die dann nach Lindelbach weiter ging um Äpfel zu holen. Vor der Sitzung machte ich noch Besorgungen in 2 "Papierläden" , die Notdürftig untergebracht sind und ging auf die Bank um das bewilligte Geld der Förderungsgessellschaft zu holen. Es konnte aber noch nicht ausbezahlt werden. Die Fakultätssitzung fand im Keller der Universität statt. Es nahmen auch die suspendierten Kollegen (Schröder, Dünninger, Hämmel) teil, nicht aber die abgesetzte Gerstenberg (suspendiert) hatte sich entschuldigt. Unbelastet waren da Krahe, Martin, Kieser, ich ferner Hampel. Meier ist noch auswarts.Es wurde die Promotions- und die Prüfungsordnung besprochen. Ich hatte hierfür zwei ausführliche Vorschlage ausgearbeitet, die auch zum großten Teil befolgt wurden. Von 10-12 Uhr 3-5 Uhr dauerte die Sitzung. Nachmittags war auch Arbert anwesend. Bei Tatjana aß ich zu Mittag dann besuchte ich Engel, der seit 6. September wieder hier ist und den ich da zum ersten Mal wiedersah.

Freitag 21.September

Da Fr. Zeuner mit ihrem Auto nachmittags nach Würzburg fuhr ging ich mit besuchte Oberdisse der mich zu Höde dem Dermatologen schickte: Nächsten Mittwoch soll ich für ein paar Tage in seine Klinik kommen. Seit Anfang September leide ich verstärkt an Ausschlägen. Der Doktor aus Kist kam gelegentlich und ver­schrieb mir Arzemeimittel, die aber schwer zu erhalten sind. Das gleiche Mittel sieht anders aus je wie es von der ein oder anderen Apotheke ehergestellt wird.

Montag 24.- Mittwoch 26. September

dem Milchauto nach Würzburg um das Zimmer [in] ....str. 4 zu erhalten. Hedwig eine Freundin von der Tochter Gutmanns hatte darauf aufmerksam gemacht. Ich ging zum Bezirksbürgermeister der die Zuzugserlaubnis erteilt auf Grung der Bescheinigung von Krahe daß ich für die Universität als Senator und am Aufbau des Seminars ar­beite. Dann Bestätigung von Gutmann, daß ich ein Zimmer von ihm erhalte. Zur polizeilichen Abmeldung in Kist. Wohnungsamt, daß den Quartierzettel ausfüllt. Polizeibehorde für die Anmelduing in Würzburg. Registrierung mit Fingerabdruck. Dann ging ich noch am Mittwoch zum Kriegschädenamt um meine Kriegsschäden vom 16.3. anzumelden. Im Studenten heim aß ich zu mittag und ging dann mit meinem Keffer zur Klinik. Um 4 Uhr wurde ich weiß angestrichen zu Bett gebracht.
Am Montag 24. September fuhr Hildegard nach Göttingen um sich zum Examen an­zumelden. Ilse nach Erlangen - Hedwig am Dienstag, 25.9. nach Heidelberg . Hildegard und Ilse kehrten am Mittwoch und Donnterstag zurück. Mein Blutdruck ist wie der eines jungen Mannes. sagte Prof. Hüde. Sonntag Besuch von Tatjana und Rasch. Montag 1.10. von Schaltenbrand. Früher [Besuch?] von Irmgard , Ilse , A. Strasser und Bernhard.

Montag 1. Oktober

Ilse fährt mit Aneliese Strasser nach St. Blasien

Freitag 5. Oktober

Irmgard mit Fr. Zeuner und Hedwig und den Bayersdorfer Ge­schäftsauto nach Hamburg, Lübeck .

Dienstag 2. Oktober

[So in der Vorlage: Der 5. Oktober steht vor dem 2. Oktober bereits im Original.] Besuch von Hildegard. Sonst hatte ich Besuch von Herrn Schaltenbrand, Professor Grafe, Rietsche und nocheinmal von Frau Theopold. Ich liege in der Hauptklinik des Luitpoldkrankenhauses in Würzburg Ende September 1945. Die Klinik ist wie auch die Kinderklinik und die Ohrenklinik am meisten betroffen durch die Zerstörung am 16. März. Aber der Betrieb geht weiter; einiges ist bereits wieder aufgebaut, ein paar Krankenzimmer sind belegt. Ich wohne in der Privatabteilung in einem Einzelzimmer. Das Dach des Hauses fehlt noch daher ist eine Beheizung die zentral von einer Stelle ge- liefert werden soll unmoglich ich hulle mich in eine Decke und sitze in einem Sessel. Zum Fenster hinausschauend, sehe ich nur Zerstorung, auf dem Boden Schutthaufen, an den Wanden hangen aussen Fensterrahmen herab - gegenüber eine Hausruine. Bevor ich in die Klinik ging habe ich gestern noch einmal die Ruinen der Uni­ versitat besucht an deren Aufbau ebenfalls gearbeitet wird und habe meine Zu­ zugserlaubnis nach Würzburg durchgesetzt um am Wiederaufbau helfen zu konnen. kDies ging ziemlich glatt da ich nicht Parteigenosse war und in meiner Stel­ lung als Universitätsprofessor durch die amerikanische Regierung bestatigt bin. Vor ein paar Tagen lieferte ich dem Dekan die Denkschrift über die neuen Immatrikulationsbedingungen und die Einfuhrung der Studenten ins Studium.

[Lücke in der Vorlage: Die Transkription vermerkt an dieser Stelle, dass die Seiten 43–48 bereits andernorts – vermutlich im Manuskript der Memoiren – abgedruckt und deshalb hier ausgelassen wurden. Es fehlen somit einige Tage Ende September/Anfang Oktober 1945.]

Montag 8. Oktober

Heute bin ich zum ersten Mal von der Klinik weg zur Komm­issionssitzung (Krahe,Schröder,Hämel und ich) in Schröders Wohnung: Beratung über die Vorschlage meiner Denkschrift über die Regelung der Immatrikulationsbe­dingungen etc. die im wesentlichen angenommen wurden. Auch Hans Meier ist wieder hier. Er soll in der theologischen Fakultat Vorlesungen halten. Er wohnt bei Laforets. Diese ist von den Amerikanern zur einer Sitzung nach Heidel­berg geholt worden. Engel wurde evakuiert. Ich habe in lange nicht mehr gesehen. Am Donnerstag 11.10. wurde ich aus der Klinik entlassen. Ich horte, daß die Universität in vierzehn Tagen mit einer Begrüßungsansprache von Hans Meier eröffnet werden soll. Die theologischen Vorlesungen sollen dann gleich beginnen. Hildegard in dieser Zeit in meinem Zimmer in der Greisingstraße 4. Irmgard und Hedwig sind in Lübeck , Ilse wieder in St. Blasien.

Montag 15.10.

ging ich zu Fuß nach Würzburg und bezog mein Zimmer. Auch Hildegard war da. Wir aßen im Studentenheim zu Mittag und im Keller des früheren Agv-Hauses zu Nacht. Am Mittwoch fuhr ich wieder nach Irtenberg zuruck.

Mittwoch 17. Oktober 1945

---- Sitzung in der Universität: Martin als Rektor, Krahe als Dekan , Pfister, Fr. Weber, Kuhn, Staab. Beratung über die Eröffnung der Kurse für Immatrikulierte, die noch kein Reifezeugnis besitzen. Es sollen folgende Kurse abgehalten werden:
Deutsch 4 Stunden - Krahe Literatur bis 1500 Kuhn, Literatur von 1500 ab (beide je 2 Stunden),
Griechisch 4 Stunden - Pfister , Latein 4 Stunden - Martin,
Philosophie 4 Stunden - Meier,
Mathematik 3 Stunden - Frau Weber, Geschichte 2 Stunden Kühnen.
Zusammen 21 Stunden - für alle verbindlich Prüfung am Schluss jedes Semesters (2 Semester).

Sonntag 21. Oktober 1945

- Nachmittags fuhr Hildegard nach Würzburg ging später zu Fuß bis Höchberg - dann mit Lastauto nach und blieb bis 20.10. dort in meinem Zimmer in der Greisingstr 4 wohnen. Hildegard fuhr in der Nacht von Sonntag auf Montag fort mit der Bahn nach Göttingen um sich dort Prüfen zu lassen.

Am Montag vormittag wurden durch Martin die neuen Kurse eingeleitet, Vorkurse für diejenigen, die sich in der theologischen Fakultät, die bereits zu lesen begonnen hat einschreiben lassen. Lauter Leute, die aus der 6./7. Klasse kommen: Latein ,Griechisch,Deutsch,Mathematik und Geschichte der letzten zehn Jahre. Ich lese Plutarch, Zizero. Da wir hierfür Texte zu Verfügung haben: Montags von 4-5, dienstag von 10-12 , Mittwoch 10-11 Uhr. So kann ich Mittwoch nachmittag immmer nach Irtenberg fahren. Wir lesen im kleinen Hörsaal der medizinischen Klinik 21 haben sich eingetragen aus der 6. oder 7. Klasse kommend mit vom Würzburger alten Gymnasium.

Montag 22.10.

9 Uhr Öffnung in der medizinischen Klinik Raum 4 im Horsaal. Griechisch montags 4-5, Dienstag 10-12, Mittwoch 10-11.

Dienstag 23.Oktober 1945

Nachmittags 4 Uhr in Marianhill die erste Senatssitzung. Montag, Dienstag, Mittwoch hielt ich das erste Mal einen Griechischkurs ab. Mittwoch nachmittag in der Augenklinik Wahl des Rektors (Martin) und des Prorektors (Harms). Zu Mittagessen war ich bei Hampe; abends fuhr ich nach Irtenberg.

Samstag 27.Oktober

Vormittag ging ich mal wieder nach Kist um 18 Pfund Brot zuholen. Fleischmann erzählte mir, daß sein Sohn Alois, den ich unterrichtet habe gut im Gymnasium der Benediktiner in Münzer-Schwarzach aufgenommen sei; der Beste seiner Klasse beschenkte mich mit Butter und Käse und versprach weiter für mich in Würzburg zu sorgen. Nachmittags kommt Irmgard und Hedwig aus Lübeck zurück. Hildegard haben sie kurz in Göttingen getroffen.

Montag , 29.Oktober

Vormittags fuhr ich wieder nach Würzburg in einem angehaltenen Personenauto. Hedwig fuhr mit dem Milchauto nach. Nachmittag hielt ich meinen Plutarchkurs ab. Dieses Mal waren es ca. 45 Teilnehmer da neu hinzugekommen waren lauter Leute aus der 6.bis 7. Klasse meist aus Würzburger Gymnasien im Alter von 15 bis 24 Jahren. Dazu kommen einige die den griechischen Aknfangskurs besuchen sonst wird unterrichtet: Griechisch, Latein, Deutsch, Mathematik und (weltanschaulicher) Geschichte: Das Weltdenken der letzten 10 Jahre unter Berücksichtigung der Stellung Deutschlands zu den anderen Nationen. Das letztere macht mein Assistent Dr. K hn. Dienstag abends saD ich mit Krahe und Rasch in der Alhambra (im Haus des akademischen Gesangvereins).

Mittwoch 31. Oktober

Vormittags um halb 8 ein evangelischer Gottesdienst im B-Saal des Luitpold-Krankenhauses. Dann kam Irmgard aus Irtenberg und wir gingen zur Feier der Universität im Saal der Mozartschule. 10:30 Uhr: In der vordersten Reihe saßen vier amerikanischen Offiziere mit ihren Dolmetscherinnen. Martin als Rektor hielt die Festrede, verlas eine Kundgebung von Händersen (alle Deutschen seien durch die gleiche Weltanschauung und Philosophie beherrscht und müssten umgeschult und umbewandelt werden); kurze englische Ansprache (sehr liebenswürdig) als Offiziers die durch die Dolmetscherin verdeutscht wurde. Ansprache des Dekans der theologischen Fakultät Staab;01 des Regierungspräsidenten Stegerwald des Bischoffs. Die Stadt war zwar vertreten, der Vertreter sprach aber nicht. Das ganze war mit Orchestermusik umrahmt. - Das katholische Element überwog stark. Staab sprach von der Universitas Literarum in der auch die theologische Fakultät ihren festen Platz habe, ja es sei kein prinzipieller Unterschied zwischen Theologie und anderen Wissenschaften; alle seien sie aufeinander angewiesen und bezögen sich in letzter Linie auf Gott. Und da nehme die Medizin die erste Stelle ein, in diesem Verhältnis der Wissenschaft zu Gott. Es sei symbolisch: Prometheus, Stator der neuen Universität sei herabgestürzt und habe ihren Kopfverloren: das Streben der Menschen aus eigener Kraft zur Wahrheit zu kommen. Dagegen das Bild über dem Eingang der alten Universität sei erhalten: Die Ausgiesung des heiligen Geistes. Die Wahrheit kommt von Gott. Die Theologie hat die Offenbarung Gottes zu erforschen - es wurden also von Staab die Grenzen der zu zwei Arten der Wissenschaft völlig verwischt. Und beide als Einheit betrachtet: Die Theologie (die "christliche Wissenschaft") und die profane Wissenschaft. Die theologische Fakultät strebt danach die Oberhand in der Universität zu gewinnen und zur Vor-bereitung sucht sie die Einheit der Wissenschaft zu erweisen, in der sie dann an erster Stelle stünde , daß sie und ihre Forschung Gott am nächsten sei).
Mittwoch abends fuhr ich mit Irmgard nach Irtenberg zurück.

Samstag 3.November

fährt Irmgard und Hedwig nach Würzburg um am Sonntag Äpfel in Lindelbach zu holen. Am Montag treffe ich sie noch vormittags in Würzburg. 5.-8.11. war ich wieder in Würzburg. Montag, Dienstag, Mittwoch Abhaltung der Kurse Dienstag Senatsitzung Donnerstag erste Sitzung in der UB.

Dienstag 6.November

Nachmittags 3.30 Uhr Senatssitzung im Marianhill neben dem vollständigen Senat waren drei amerikanische Offiziere, ein Oberst, ein Major, ein Leutant mit zwei Dolkmetscherinnen, drei Vertreter der Stadt und Dberbürgermeister Löffler anwesend. Ich begrüßte die Offiziere am Eingang des Hauses im Namen der Universität und führte sie in den Sitzungssaal, dabei lud mich der Leutnant ein ihn in seinem Zimmer zu besuchen. Die Stadt Bamberg hatte uns aufgefordert mit den geisteswissenschaftlichen Fakultäten nach Bamberg überzusiedeln und uns sehr günstige Angebote gemacht. Jetzt erinnerte sich auch Würzburg seiner Universität. Oberbürgermeister Löffler sprach sehr gut und warm hierrüber. Die Lehrerhochschule und Teile der Bauhochschule wurden zu Verfügung gestellt. Teile des Standort-Lazereths sollen als Studentenwohnungen eingerichtet werden. Vergleiche meine Denkschrift vom 28. Oktober. Eine Wohnungskomission wurde vom Senat eingesetzt. Abends in der Alhambra besprach ich mit Krahe, Düninger und Rasch meine Denkschrift an Krahe (vertraulich vom 5.10.45), es soll weiter verfolgt werden, aber mit Berücksichtigung der in Verlagen DeGruyter, Reklang[Reclam?] Niemayer vorhanden Bestände.

Mittwoch 7. November

Nachmittags zum Kaffee bei Tatjana , vormittags besuchte ich den amerikanischen Leutnant am Ludwigskai in Zimmer 25. Er ist der Universität gut gesinnt. Wenn es anginge würde er als reicher Mann eine Stiftung machen. Ich regte amerikanische Büchersendungen an; ich soll noch öfters zu ihm kommen.

Donnerstag 8. November

Vormittags erste Sitzung in der Universitätsbiblothek - Vergleiche Protokolle um halb zwölf fuhr ich mit dem Holzauto nach Irtenberg.

Würzburg ursprünglich mit etwas über 100 000 Einwohnern beherbergt augenblicklich obwohl zu 85% zerstört wieder gegen 50 000 Menschen. In diesen Tagen erhielt ich auch die ersten Bücher, die ein Paket aus den Verlagen Winter und Beck für meine Seminare vor allem viele Bände von I. Müllers Handbuch.

Montag 12.November

-- vormittags nach Würzburg bis Donnerstag 15. November Ebenso Montag 19. November bis Donnerstag 22.11.

Am 19. November

sprach ich abends längere Zeit mit Alexander Graf Staufenberg in der Allhambra und bei Krahes. Als "Bruder des Bruders" mißt er sich große Verdienste zu und ist überzeugt davon, daß er zu großen Forderung berechtigt ist. Er hofft auf das Ordinariat in München.

Samstag 24. November 1945

Doktor Zeuners holen ihre Möbel ab und wir beziehen ihr Zimmer in dem wir schon meheren Wochen lang wohnen.

Montag 26. - Donnerstag 29.11.

in Würzburg 26.11. Nachmittags Fakultätssitzung Gestaltung des Winterssemesters 45/46. Es soll am 07.01.46 beginnen und 31.03.46 daUern, siehe Protokoll bei meinen Akten.
27. November -- Nachmittags Senatsitzung in Marianhill, die ... Presseamt wird erledigt. 28.11. nachmittags war ich bei Hampe und Tatjana
Donnerstag 21.11.-Sonntag 2.12. in Irtenberg -- Ich schrieb den ersten Artikel für die MAINPOST und einen kürzeren für die neue Zeitung

Montag, 3. Dezember

wieder nach Würzburg, Vormittag war ich in der Redaktion der MAINPOST und lieferte den ersten Artikel des Presseamtes ab. Nachmittags Fakultätssitzung, abends mit Irmgard bei Kiesers zum Nachtessen.

Dienstag 4.12.

nachmittags Senatssitzung in Marianhill, abends schrieb ich nach Anweisung Martins bei einen Artikel für einen amerikanischen Journalisten, den ich am Mittwoch vormittag bei Frau Albers in der Militärzegierung abgab, wo ich auch Kaffee trank

Donnerstag, 6.12. --

Mittags nach Irtenberg zurück - ich nehme die Schreibmaschine aus dem Krankenhaus mit, stellte sie in Kist unter und brachte sie abends mit dem Rad nach Irtenberg. Die große Torpeteschreibmaschine [Torpedo Schreibmaschine?], die ich von der Waffenfrankonier geliehen hatte, sollte bald abgeholt werden.

Samstag 8.Dezember

-- Abends feierten wir mit Zeuners und Tatjana, Hedwigs 20. Geburtstag.

Montag 10. - Donnerstag 13.12.

in Würzburg Mittwoch 12.12., Schluß des griechischen Kurses vor Weihnachten - Wiederbeginn Anfang Februar. Nachmittags Fakultätssitzung. Wahl des Dekans (Krahe) Erste Fakultätssitzung nach Wiederöffnung der Fakultät. Dienstag nachmittag ist Senatssitzung insbesondere Besprechung des Entwurfs der Satzungen der Universität. Mittwoch 12.12. Nachmittags Besprechung zwischen Martin, Krahe, Wagner und mir über die neu zu gründenden ...[?] für die Altertumswissenschaft. Am Donnerstag 13. Dezember schrieb ich noch neue Ausführungen darüber, an diese drei Herren, die Hedwig am Freitag an Rektor und Dekan abgab.

Samstag, 15. Dezember

- Schlachtfest in Irtenberg

Sonntaq, 16. Dezember -

Artikel "Hochschulsorgen" für den WESERKURIER geschrieben Montag 17. - Mittwoch 19.Dezember in Würzburg -- Dienstag nachmittags Senatssitzung in der Augenklinik : Weiterberatung über die Universitätssatzung; Dienstag, Mittags aßen wir Irmgard, Hedwig und ich ein Hähnchen bei Tatjana.
Mittwoch fahren wir zu dritt mit viel Gepäck für Weihnachten nach Irtenberg.

Donnerstag 20.12.45

Ich mache den ersten Satzungsentwurf fertig. Hedwig nimmt ihn am Freitag für Krahe mit - ebenso eine kurze Zusammenstellung der jetzt gültigen Bestimmungen . Wir holen einen Christbaum aus dem Wald und bereiten das Weihnachtsfest vor. Hildegard kommt aus Lübeck zurück, Wohin sie von Göttingen aus gefahren war. In Göttingen hatte sie sich in Geographie und Philosophie prüfen lassen.
Von Krahe und Wagner aufgefordert arbeite ich das neue Vorwort für die Würzburger Jahrbücher aus und gebe es am 15.12. Herrn Kneuss für Krahe mit.

Donnerstag 27.12.

war ich wieder in Würzburg, und Krahe und ich bringen das Vorwort zu Wagner damit er es der amerikanischen Militärregierung übergibt. So ist der Plan für die Ausgestaltung der Würzburqer Jahrbücher gesichert. Die Nachmittage verbringe ich bei Tatjana, die am 25. bis 26. Dezember bei uns in Irtenberg ist. Vor Weihnachten brachte ich Geschenke an unsere Bauernfreunde nach Oberaltertheim und Kist darunter ein großes Schaukelpferd für Spals in Kist, was ich mit Hildegard auf einem Wagen hinfahre. Am 2. Weihnachtsfeiertag waren Spalts mit 4 Kindern nachmittags bei uns. Den Weihnachtsabend feierten wir getrennt von Rehms in unseren Zimmern. Am Baum hing nur selbstgefertigter Schmuck und Kerzen, die uns Frau Zeuner spendete.

Samstag 30.12.45

Besuch von Herrn und Frau Oberdisse die uns ihren Radioapparat leihweise mitbrachten.

28. Januar 1946

Morgens um halb sieben ging ich mit Hedwig in der Dunkelheit von Irtenberg nach Kist und von hier fuhren wir im überfüllten Arbeiterauto nach Würzburg so wir um acht Uhr ankamen. Ich ging gleich in mein neues Zimmer im Luitpold-krankenhaus, Bau 4 innere Klinik, daD ich von jetzt ab bewohnen werde. Von 11-12 vorlesung. Mittagessen in der Alhambra (im Keller des Hauses des akademischen Gesangsvereins), dann zu Tatjana. Zwei bis drei Uhr Vorlesung: Einführung in die Altertumswissenschaft. Dann bereite ich mich in der Keisingstraße 4 für den nächsten Vorlesungstag vor. 4.45 Uhr - 5.30 Uhr Religion und Wissenschaft die 3. Stunde im ganzen vollen Saal über Epikorea sophisten Sokrates. Es war ein guter Erfolg. Nun trafen wie Irmgard, die gerade von Irtenberg gekommen war und ich ging mit ihr in das neue Zimmer, wo wir einfach zu Abend aßen. Dann arbeitete ich noch an den Vorlesungen für morgen.

Dienstag 19. März 1946 --

Als ich am Montag 4.März von Irtenberg wieder nach Würzburg fuhr hielt ich zunächst um 11 Uhr meine Plutarchvorlesung und fand nach dem Mittagessen in der Geisenstraße den Brief des Dekans Krahe an mich vom 28.2. vor: Mit der Klage des Dekans die theologische Fakultätstab gegen meine Vorlesung "Religion und Wissenschaft". Zunächst mußte ich dies für eine politische Verdächtigung nehmen um mich zu beseitigen jetzt wo die Kirche wieder die Macht hatte. Ich schrieb entsprechend am folgenden Tag meine Antwort an Krahe und sagte einen ausführlichen Bericht zu, den ich dam am 10.3. in Irtenberg schrieb und am 11. an Krahe abgab. An diesem Montag 11. März sprach ich dann eingehend und gut vorbereitet über die ganze Angelegenheit in der (9.) Vorlesung und hatte vollen Erfolg und viel Beifall. Diese Vorlesung schrieb ich dann am 15. u. 16. in Irtenberg nach meinem Manuskript wortgetreu mit der Maschine ab. Ein Exemplar gab ich Kollege Leidich zu lesen. Am 18.3. sprach ich über die Scholastik. Nach der Vorlesung kam ein Student zu mir und bat mich im Namen anderer Studenten ich möchte ein religionswissenschaftliches Kollogium einrichten was ich zusagte für nächstes Semester. Vorher hatte mir Krahe die Antwort Staabs vom 17.3. übergeben. Am 13. März fanden die Wahlen für Rektor, Senat, Vezwaltungsausschuß etc. statt. Für den engen Senat hatte die Fakultät mich vorgeschlagen und während die Vorschläge der anderen Fakultäten angenommen wurden wäre ich fast durchgefallen; es mußte eine dreimalige Wahl stattfinden zuletzt die Wahl zwischen Schröder und mir. Die theologische Fakultät stimmte natürlich entschlossen gegen mich und andere Katholiken (Mayer,Martin ect.) auch.

Am 25. März

fand mein letztes Publikum statt. Am Mittwoch 27.3. schloß ich die Vorlesungen.

Am Freitag 19.3.

war das SemesterschluDfest deT philosophischen Fakultät in Feishöchheim. Vormittags fuhren wir im Postauto hin. Ich mit Hildegard - auch Hedwig nahm teil. Vor dem Essen von 10 Uhr ab ernsthafte Vorträge, nach dem Essen bin ich zum Kaffee zu Frl. Kolb. Nachmittags wurde getanzt. Ich führte die Bolognese und hielt eine Dankrede anschließend daran.

Donnerstag 28.03.46

war ich durch ein Schutzmann zur "amerikanischen Untersuchungskomission" vorgeladen. Ich dachte an eine Denuntiation wegen meiner Vorlesungen. Es handelte sich aber nur um eine gesundheitliche Untersuchung zur Statistischen Zwecken vor allem von Kleinkindern.



1Weitere Berichte zu diesem Ereignis:

Hedwigs Erinnerungen Bernhards Erinnerungen Bernhards Brief an seine Großmutter

Dieser Ausschnitt aus Friedrich Pfisters Tagebuch war bereits transkribiert, jedoch mit Rechtschreib- und Tippfehlern. Offensichtliche Fehler wurden korrigiert. Eckige Klammern ([ / ]) markieren, wo die Vorlage unklar, lückenhaft oder mehrdeutig ist – etwa bei Namen, in der Reihenfolge der Einträge oder wo die Transkription selbst Text ausgelassen hat.

Letzte Bearbeitung: August 2026